Dorffest begeistert mit Details

Dittlofrod feiert ein Fest zwischen Erinnerung und Zukunft

Was für ein Fest! Drei Tage lang feiert Dittlofrod sein 875-jähriges Bestehen – und erlebt dabei weit mehr als nur ein gelungenes Jubiläumswochenende. Strahlende Kinderaugen, wiederentdeckte Erinnerungen, gelebte Mundart, Musik, Geschichte und ein ganzes Dorf in Feierlaune machen deutlich: Heimat ist nicht nur der Ort, an dem man lebt. Heimat ist das, was Menschen miteinander verbindet und Fremde zu Nachbarn macht.

Zugegeben: 875 Jahre sind keine besonders runde Zahl. Ein Anlass zum Feiern sind sie aber allemal. Und der Heimat- und Geschichtsverein Dittlofrod wollte mehr, als nur ein schönes Dorffest auszurichten. Die Besucher sollten eingeladen werden, sich mit ihrer Heimat und deren Geschichte auseinanderzusetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen, Erinnerungen zu teilen, neue Verbindungen zu knüpfen – und gemeinsam Mut für die Zukunft zu gewinnen.

Nach diesem Wochenende lässt sich sagen: Das ist gelungen. Und zwar bis ins kleinste Detail.

Der Freitag stand ganz im Zeichen des Rhöner Platt. Die Theatergruppe Dittlofrod/Körnbach hatte zum Mundartabend eingeladen. Wegen des unbeständigen Wetters wurde kurzerhand vom Freien ins Dorfgemeinschaftshaus umgezogen – und dort wurde schnell deutlich, wie groß die Resonanz sein würde: Der Saal platzte aus allen Nähten.

Zwei Stunden feinste Unterhaltung mit Mundartbeiträgen der Theatergruppe und einem Gastauftritt von Franz Habersack, musikalisch umrahmt vom Duo2Klang, markierten den Auftakt zu einem Wochenende, das so schnell nicht in Vergessenheit geraten dürfte.

Ein Festgelände voller Leben

Am Sonnabend konnte man die Begeisterung förmlich spüren, sobald man das Festgelände rund um das Dorfgemeinschaftshaus betrat. Überall gab es etwas zu entdecken – und besonders für die Kleinsten wurde das Gelände für einige Stunden zu einem großen Abenteuerspielplatz.

Kiele Reiterhof holte die Kinder mit dem Bulldog-Taxi ab und brachte sie zum Reiterhof, wo sie reiten und Kutsche fahren konnten. Tretbulldog-Parcours, Mal- und Bastelaktionen, eine Strohpyramide zum Klettern, die Hüpfburg und Eiscreme aus dem Eismobil taten ihr Übriges. Manch eine Mutter und manch ein Vater dürfte den eigenen Nachwuchs kaum zu Gesicht bekommen haben.

Die strahlenden Kinderaugen überraschten deshalb niemanden. Doch wer genauer hinsah, entdeckte dieses Strahlen ebenso in den Gesichtern vieler Erwachsener.

Wenn die historische Dreschmaschine, angetrieben vom Lanz Bulldog, ihre Arbeit aufnahm, strömten die Zuschauer herbei. Für die einen war es etwas völlig Neues, für andere ein Stück der eigenen Vergangenheit. Zwischen den Dreschvorführungen förderte die Domkapelle mit zünftigen Musikeinlagen den Getränkeabsatz.

Das von Oswald Zipper vor 25 Jahren angefertigte Miniaturdorf wurde eigens zum Jubiläum wieder aufbereitet. Jung und Alt standen davor, suchten Häuser, Straßen und vertraute Winkel – und staunten darüber, wie viel Geschichte sich auf wenigen Quadratmetern erzählen lässt.

Aber auch die ein oder andere Freudenträne kullerte manch älterem Besucher über die Wange, wenn in der interaktiven Bilder- und Videoausstellung fast vergessene Kindheitserinnerungen unvermittelt wieder lebendig wurden.

Wie viele Gäste am Sonnabend tatsächlich nach Dittlofrod gekommen waren, wusste irgendwann niemand mehr so genau.

„Ich habe keine Ahnung, wie viele Menschen hier gerade sind“, stellte Tobias Sippel aus dem Planungsteam fest, als bereits zum dritten Mal Grillfleisch nachbestellt werden musste und das Kuchenbuffet längst leergefegt war.

Ein junger Besucher versuchte sich immerhin an einer eigenen Statistik: Allein 70 auswärtige Kinder will er gezählt haben. Viele Familien waren nicht nur aus den Nachbardörfern, sondern teilweise vom anderen Ende des Landkreises angereist.

Als am Abend das Ringberg Echo übernahm, wurde dem Publikum kräftig eingeheizt – und Dittlofrod feierte bis spät in die Nacht.

Ein Sonntag für das Dorf

Der Sonntag schließlich stand ganz im Zeichen der Feierlichkeit und des Zusammenhalts. Nach der Festmesse mit Pfarrer Vogel gedachte man am Friedhof der Verstorbenen, die dort oder in fremder Erde begraben sind. Für einen Moment richtete sich der Blick nicht auf 875 Jahre abstrakter Dorfgeschichte, sondern auf die Menschen, die diese Geschichte gelebt, geprägt und weitergegeben haben.

Beim anschließenden Festakt erhielt das Jubiläum schließlich auch eine besondere offizielle Würdigung: Nach der kurzen Festrede des Vereinsvorsitzenden Lothar Mihm verlieh Staatssekretär Martin Rößler Dittlofrod die Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde. Bürgermeisterin Dana Hauke und Ortsvorsteher Michael Hofmann nahmen die Auszeichnung gemeinsam entgegen.

Auch musikalisch hatte Dittlofrod an diesem Tag noch einiges zu bieten. Oliver Zentgraf und Michael Keller vom Herrenabend-Duo verliehen bereits dem Festakt eine außergewöhnlich feierliche Atmosphäre.

Beim anschließenden Konzert-Café sorgte Dagmar Schröter mit dem Kinderchor der Steinbacher Harmonie und Viva Cantare für zwei besondere Auftritte. Beide Chöre präsentierten jeweils ein eigens von ihrer Dirigentin getextetes Dittlofrod-Lied – eine musikalische Liebeserklärung an das Dorf, die wohl besser kaum zu diesem Wochenende hätte passen können.

Danach waren schließlich die Besucher selbst gefragt. Arthur Storch und Hubert Kircher packten den Zerrwanst aus und stimmten zum gemeinsamen Volksliedersingen an. Aus Zuhörern wurden Sänger, aus einzelnen Stimmen wurde ein Chor. Vielleicht ist es gerade dieser Moment, der den Gedanken hinter dem gesamten Jubiläumswochenende besonders schön zusammenfasst.

Dass dieses Wochenende überhaupt möglich wurde, war selbst ein eindrucksvolles Zeichen des Zusammenhalts: mehr als 100 freiwillige Helfer packten mit an, alle Dittlofroder Vereine leisteten ihren Beitrag. Und der Zusammenhalt endete nicht an der Dorfgrenze: auch Freunde aus Arzell und Körnbach übernahmen zahlreiche Dienste.

Denn 875 Jahre Dorfgeschichte bestehen nicht aus Jahreszahlen, Urkunden und alten Fotografien. Sie bestehen aus Menschen. Aus denen, die vor uns hier gelebt haben. Aus denen, die heute Verantwortung übernehmen. Und aus den Kindern, die an diesem Wochenende mit dem Bulldog-Taxi durchs Dorf fuhren, auf Strohballen kletterten und vielleicht irgendwann selbst erzählen werden, wie Dittlofrod damals seinen 875. Geburtstag gefeiert hat.

An diesem Wochenende wurde nicht nur gefeiert. Alte Geschichten wurden wieder lebendig und neue Geschichten sind entstanden.

Und am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis: Dieses kleine Dorf hat eine große Geschichte. Und sie ist noch lange nicht zu Ende.

Bildergalerien

Freitag | Fassanstich & Mundartabend

Sonnabend | Dreschfest

Sonnabend | Dorfabend

Sonntag | Kirche & Friedhof

Sonntag | Festakt & Mittagstisch

Sonntag | Konzert-Café

Sonntag | Weitere Videos vom Festakt

Eröffnungsrede von Lothar Mihm HGV

Grußwort von Michael Hofmann Ortsvorsteher von Dittlofrod

Grußwort von Dana Hauke Bürgermeisterin der Marktgemeinde Eiterfeld

Grußwort von Landrat Bernd Woide

Grußwort vom Staatssekretär und Verleihung der Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde durch Staatssekretär Martin Rößler

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